Mein Weg zurück ins Leben

In der Reha hat mich der Satz begleitet, “Mein Weg zurück ins Leben”.

Treffend wie ich fand.

Die Diagnose ein Schock, die Therapie ein langer Weg, den ich mich Schritt für Schritt vorwärts gekämpft habe. Ich habe gewusst, ich muss Abstriche machen, die nicht leicht werden. Die Reha hatte ich mir sehr ersehnt, diese Zeit nur für mich, Kraft tanken und wieder vorwärts schauen mit vielen positiven Gedanken.

Meine Situation mit zwei kleinen Kindern, die täglich fordern, ein Haus gebaut, gerade noch schnell umgezogen vor meiner OP und die lange Belastung der Therapie.

Ich wollte nur noch weg, brauchte jetzt endlich Zeit nur für mich und freute mich riesig auf diese Reha. Die Klinik spezialisiert auf junge Frauen mit Brustkrebs, die wieder aktiv im Leben stehen, war die richtige Wahl. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, konnte mich austauschen mit vielen anderen Frauen und habe alles probiert, um wieder fit zu werden. Trotzdem habe ich Pausen gebraucht und brauche sie heute noch.

Umso krasser fand ich, wo ich zurück daheim war.

Ich war zwar super erholt, habe gedacht jetzt schaffe ich alles und mir geht´s ja so gut. War ja auch so, aber von heute auf morgen wieder voll einsatzfähig und hundert Prozent geben, das geht nicht. Ich habe sehr deutlich begriffen, dass ich nach mir schauen muss. Meinen Perfektionismus ablegen und Dinge, die ich gern mag, einfach machen. Aber da sind meine zwei Kinder mit vier und zwei Jahren, die mich brauchen.

Ich habe das Gefühl, jetzt heißt es wieder wie eh und je funktionieren, keiner fragt mehr, wie es geht. Termine über Termine in meinem Kalender. Ich habe mein Ziel, Sport zu machen. Also zweimal die Woche Gerätetraining, einmal Nordic Walking und zweimal Rehasport.

Davon gebe ich nichts auf, weil es mir gut tut.

Aber es ist immer ein Drumrumbasteln meiner Termine um die der Kinder und ein Hoffen, dass nichts dazwischen kommt. Ich laufe zum Beispiel seit einem halben Jahr mit meiner vierjährigen Tochter zum Zahnarzt, davon gefühlte hundert mal in eine spezielle Kinder-Zahnarztpraxis. Das Einzige, was die mich in letzter Zeit kosten, sind Nerven, Leute sowas kann ich echt nicht brauchen zu dem Ganzen dazu. Naja, der Zahn quält uns immer noch und Hilfe wieso macht ihr so ein Mist mit Kindern, ich verstehe es nicht. Und so gibt es bei uns Tage, da bin ich verzweifelt und am Ende, weil die Probleme ja nicht still stehen.  Ich fühle mich heute noch erledigt, schnell müde und nicht belastbar, aber immer das Gefühl, ich sollte es wieder sein. Für meine Kinder, meinen Mann und alle anderen.

Meine Tochter hat es vor kurzem mal wieder geschafft, mein Adrenalinspiegel in die Höhe zu treiben. Frühmorgens schließt sie sich samt kleiner Schwester im Schlafzimmer ein, bis sie merkt, sie kann nicht mehr aufschließen, Panik und der berühmte Satz “Ich muss auf Toilette”. Ich zu meinen Nachbarn, ein junger trainierter Mann, der ist dann mit einer Leiter hochgeklettert und durch’s Fenster zu den Kindern. Das hätte ich nicht geschafft. Naja das Glück war, der Nachbar war zu Hause und das Fenster war offen. Sonst wären meine Beiden immer noch drin. Die Kleine von den Beiden, fand das ganze superwitzig und hatte ihren Spaß. Ich habe mal wieder ein riesen Schreck bekommen und habe erst mal sämtliche Schlüssel versteckt. So geht das Leben weiter mit allem was dazu gehört.

Aber trotzdem: in meinem Leben hat sich viel verändert. Ich bin sehr stolz auf mich, was ich geschafft und überstanden habe. Ich denke viel über mein Leben nach, was ich will, was mache ich weiterhin. Ich denke positiv, da habe ich aus der Reha viel Positives für mich mitnehmen können.

Ich schätze, was ich habe und genieße das auch. Ich habe heute noch Momente, da kommen die Tränen und Gedanken, aber ich freue mich wieder an meinem Leben und schätze, dass ich Leben darf. Das Leben ist schön und vor allem das Leben mit meiner Familie genieße ich heute mehr denn je. Ich lasse mich überraschen, was noch kommt und lebe im jetzt.

Danke an meine zwei süßen Zwerge. Für euch musste es weitergehen und ihr habt mich so oft abgelenkt und zum Lachen gebracht.

Eure Sandra 🙂