Meine Chemo: 4xEC und 12xTaxol

Hallo Ihr Lieben. Meine Name ist Valentina und Ich bin 39 Jahre alt. Ich bin verheiratet und lebe in Neu-Ulm. Meine Diagnose erhielt ich am 5.10.2016. Im ersten Moment war es natürlich ein großer Schock. Eigentlich habe ich bis zum Chemo-Beginn gebraucht, um zu realisieren, was da wirklich gerade passiert. In diesem Monat hat man sämtliche Pflichtuntersuchungen gemacht und dennoch war es schwer für mich, zu begreifen, dass ich Krebs habe. Anfang November wurde mir dann der Port gesetzt und 4 Tage später startete die erste Chemo. Ich war unendlich aufgeregt, da ich absolut nicht einschätzen konnte, was dort auf mich zu kommt. Die Nacht davor habe ich auch echt wenig geschlafen.

Das erste Portanstechen war recht schmerzhaft, da es noch alles ganz wund und angeschwollen von der OP war. Schon während die Chemo in mich hinein lief, wartete ich auf die ersten Nebenwirkungen. Ich hatte während der Chemogabe auch stets ein beklemmendes Gefühl in der Brust und musste teilweise sogar eine Tavor nehmen, um mich zu beruhigen. Als dann alles vorbei war, ging ich heim und mir ging es noch echt gut. Man sitzt aber trotzdem zuhause und wartet auf die Nebenwirkungen. Die erste Übelkeit trat bei mir schon am Nachmittag auf, welche ich recht schnell mit MCP-Tabletten in den Griff bekam. Danach war es ok und die erste Nacht verlief ruhig. Die ersten Tage zeigten sich lediglich die Wirkungen des Cortison, welches sich in Form von nächtlichen Heißhunger-Attacken und einem hochroten Kopf zeigte

Der Samstag nach der ersten Chemo war für mich der erste wirklich schlimme Tag. Ich musste den ganzen Tag liegen, weil es mir echt dreckig ging. Mir war richtig übel, ich war total kraftlos und dieses beklemmende Gefühl begleitete mich durch den Tag. Am darauffolgenden Montag ging es mir aber schon wieder recht gut. Ein bisschen Sodbrennen, aber auch da wurde mir recht schnell geholfen. Ich konnte sogar zum Sport gehen.

Von Chemo zu Chemo verlängerten sich die Zeiträume, in denen es mir nicht so gut ging. Der Geschmack war mittlerweile auch schon fort. Mein Kreislauf machte mir echt zu schaffen. Nach der dritten großen Chemo war es dann so schlimm, dass ich am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dort gab man mir dann eine Infusion und Vomex und danach ging es mir schon besser. Somit verbrachte ich den Rest von Weihnachten auf meinem Sofa. Bis zum neuen Jahr erholte ich mich so gut, dass ich sogar durch die Breitachklamm in Oberstdorf steigen konnte. Es war mega anstrengend, aber unglaublich schön.

Nach der dritten Chemo wurde dann ein Ultraschall gemacht, bei dem man feststellte, dass der Tumor geschrumpft ist. Somit viel es mir leichter, die vierte große Chemo durchzuziehen, denn ich wusste, sie schlägt gut an. Aber ich war dann doch sehr froh, diese geschafft zu haben.

An die darauf folgenden kleinen Chemos ging ich wesentlich entspannter ran, da ich von meinen Chemo-Mädels schon wusste, dass diese verträglicher sind. Und so war es dann auch. Ich hatte keine Übelkeit mehr. Ich war sehr geschafft, müde und dieses beklemmende Gefühl begleitete mich auch hierbei. Nach der vierten kleinen Chemo bemerkte ich beim Tasten, dass sich der Tumor verändert hatte. Das teilte ich meiner Ärztin dann mit und diese machte einen Ultraschall. Dieser zeigte, dass die Größe unverändert war, aber man merkte, dass er fester geworden war. Wir machten einen weiteren Kontroll-Ultraschall nach der siebten kleinen Chemo, welcher zeigte, dass der Tumor gewachsen ist. Und an der Stelle wurde die Chemo abgebrochen.

Die Ärzte haben sich darauf hin beraten und beschlossen, dass die geplante Op vorgezogen wird.

Diese folgte dann am 27.3.2017. Dort verlief alles gut und ich konnte bereits nach 2 Tagen heim.

Eure Vali

Chemotherapie ?!? Muss dat denn sein????

Obwohl ich echt Angst hatte, ging ich mit guter Laune zur ersten Chemo. Ich wusste, jetzt geht es los, jetzt wird mir geholfen. Angesetzt waren 4 mal (alle 3 Wochen) Epirubicin/Cyclophosphamid und 12 mal Taxol wöchentlich. Epirubicin , das Aperol Sprizz unter den Chemos. 🙂 Sieht so aus, wirkt aber anders. 🙂

Nunja….also die erste Chemo! Das Portanstechen war echt unangenehm, noch vielmehr das Gefühl, wenn das erste mal Flüssigkeit dort rein läuft und es nach und nach recht kühl wird. Aber man gewöhnt sich an alles. Ich dachte, man merkt bestimmt sofort etwas, wenn die Chemos reinlaufen. Aber es passierte nichts. Nach guten 6 Stunden waren wir fertig und ich war noch immer fit. Entgegen meiner Erwartungen. Ich fühlte mich wie vorher, fuhr mit dem Bus heim und saß dann zuhause und wartete auf die Nebenwirkungen. Klingt bestimmt total blöd, ist aber so. Ein bisschen müde  war ich an dem Tag, mehr passierte aber nicht.

Auch als ich am nächsten Morgen erwachte ging es mir echt gut. Ich schmiss meinen Haushalt und verbrachte noch viel Zeit draussen. Zum Wochenende hin merkte ich dann langsam wie sich etwas veränderte. Der Kreislauf spielte etwas verrückt und etwas Übelkeit kam auf. Ich fühlte mich ein bisschen betrunken. Das nervte , weil man die Dinge so schwummerig gesehen hat. Aber gegen die meisten Sachen war ich gewaffnet, denn man wird ja tüchtig mit Medikamenten ausgestattet. Der Sonntag nach der ersten Chemo war es etwas schwierig, da ich mit meinem Reflux ein paar Probleme hatte. Das hat mir auch eine schlaflose Nacht gebracht, da ich ausschließlich im Sitzen schlafen konnte, wenn überhaupt. Aber auch hierbei wurde mir in der Klinik am nächsten Tag schnell geholfen mit Pantoprazol und danach hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mehr. Mir ging es in der Woche darauf schon echt gut. Ich reiste sogar zu meiner Familie an die Nordsee und genoss dort ein paar schöne Tage.

Genau zwei Wochen nach der ersten Chemo kämmte ich mir morgens die Haare und bemerkte, da waren auffällig mehr Haare in der Bürste als sonst. Oh mein Gott jetzt schon !!!!! Ich war ja drauf vorbereitet, aber doch nicht so schnell. In den folgenden 2 Tagen wurde es immer mehr. Man konnte die Haare so vom Kopf ziehen. Eine echt schlimme Sache und vor allem sehr belastend, denn überall lagen Haare rum. Und so entschied ich mich, am Abend meines Geburtstages die Haare runterholen zu lassen. Ein ganz komisches Gefühl. Ich dachte, es wird so schwer und es werden ganz viele Tränen fließen. Aber dazu hatte ich gar keine Möglichkeit. Die Mama meines Partners und seine Schwester schnitten nach und nach die Haare ab und formten die witzigsten Frisuren. So haben wir mehr gelacht als alles andere. Und als dann alles weg war, fand ich es gar nicht so schlimm. Irgendwie war es ganz süß. Aber….. es ist sehr kalt nachts. Muss man sich erstmal daran gewöhnen.

In den folgenden 3 großen Chemos ging es mir dann ähnlich. Etwas Schwindel und Übelkeit waren immer vertreten. Aber es hielt sich zum Glück so in Grenzen, dass ich damit leben konnte. Nach und nach gingen mir in der Zeit auch sämtliche Körperhaare aus, was ich, bis aufs Gesicht, wenig ärgerlich fand. Wimpern und Augenbrauen hielten sich echt wacker. Was mich aber etwas nervte, waren die Hitzewallungen. Ich hätte es niemals gedacht, aber die sind soooo anstregend, gerade wenn man am Abend einschlafen möchte. Aber im Groben und Ganzen war ich echt erstaunt, wie „gut“ es mir ging, trotz Chemotherapie. Natürlich hat der erste Ultraschall nach der dritten Chemo die positive Einstellung noch mehr verstärkt. Denn der Tumor war nur noch recht „schwammig“ zu erkennen. Wahnsinn! Es ist so ein unbeschreiblich gutes Gefühl, so eine Botschaft zu erhalten. Da war ich dann noch motivierter. An dem Tag habe ich mit meiner Schwiegermama gleich mal mit nem Sektchen angestossen. Sowas muss ja wohl gefeiert werden. Für meine Familie war es die schönste Nachricht seit langem, und es flossen einige Freundentränchen.

Nach der 4ten großen Chemo war ich dennoch echt glücklich diese hinter mich gebracht zu haben und immerhin war nun Halbzeit. Yeah !!! Körperlich war ich zum Glück so fit danach, dass ich zur Hochzeit meiner kleinen Schwester reisen konnte. Ich hab das so genossen dort zu sein. Gerade nach der ersten Chemozeit.

Ende November begannen dann die wöchentlichen Chemos. Diese hab ich auch recht gut vertragen. Das fiese ist halt immer das Cortison. Ich hab da durch so einen Heißhunger bekommen, dass am Chemotag morgens die Futterluke auf ging und erst am Abend wieder zu. Der ganze Spaß hat mir während der Chemozeit auch ganze 10 kg gebracht. Furchtbar, denn ich bin ja nicht gerade ein Leichtgewicht. Die hätten echt nicht sein müssen, aber es hat soooooooooooo geschmeckt. Während der kleinen Chemo hatte ich dann auch immer meinen „toten Samstag“. Das war der einzige Tag wo nicht viel ging. Da musste ich mich echt schonen, weil der Kreislauf partout nicht wollte. Leider kamen mit den kleinen Chemos auch die Depri-Schübe. Man sitzt irgendwo und plötzlich weint man. Und kein Mensch weiss wieso. Man selber auch nicht. Aber was ich gelernt habe ist, dass Tränen befreien. Ich fühlte mich danach soooo viel besser. Meistens bin ich dann spazieren gegangen, um den Kopf einfach mal frei zu kriegen.

Zur Mitte der Weeklys fingen dann meine Zehen an, taub zu werden. Ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als klebt dort etwas unterm Fuß. Und mir taten die Beine weh. Aber wie doll manchmal. Als ob die tonnenschwer wären. Am meisten spürte ich das, wenn ich abends im Bett lag. Tagsüber ging es, da ich mich eigentlich echt viel bewegte. Und mit jeder kleinen Chemo, verschwanden mehr Wimpern und Augenbrauen. Aber , mit Beginn der kleinen Chemo finden die Kopfhaare an zu wachsen. Und wie. Sie schossen Quasi aus dem Kopf raus. Zur letzten Chemo kam ich mit quasi „vollem“ Haar aufm Kopf, aber völlig haarfrei im Gesicht. Ich fand immer, so ohne Augenbrauen und Wimpern, sah ich aus wie ein Frosch. Naja, eine Wimper hatte ich ja noch. EINE! Die war echt hartnäckig. 🙂 Die Survivor-Wimper 🙂

Je näher das Ende der Chemos kam, umso mehr merkte ich, dass der Körper einfach keine Lust mehr darauf hatte. Und bei der 9ten kleinen schlich sich dann bei mir eine fiese Bronchitis ein, die sich echt über 4 Wochen zog, mit Stimmenverlust und einer Chemopause. Das nervte mich schon sehr. Da ich ja endlich fertig sein wollte. Und dann noch ne Pause. Maaaaan…sowas stresst ungemein. Hatte sich mein Immunsystem bisher doch echt wacker geschlagen, so musste es mir auf dem Endspurt doch noch einen Stein in den Weg legen. Aber….. mit der letzten Chemo ging auch die Bronchitis und ich hatte meine erste kleine gegelte Frisur. Ein gaaaaaaanz tolles Gefühl.

Fazit aus allem: Es war bei weitem nicht so schlimm, wie ich erwartet habe. Ich habe die gesamte Zeit über meine positive Einstellung und meinen schrägen Humor nicht verloren. Ich bin jeden morgen aufgestanden und habe mich zurecht gemacht. Das hat mir als Frau ein unheimlich gutes Gefühl gegeben. Mit den Nebenwirkungen kann man irgendwann umgehen, denn man lernt, was man in welcher Situation tun muss, um dass es einfach besser wird. Ich bin dankbar so eine tolle Familie und Schwiegerfamilie, sowie ganz liebe Freunde an meiner Seite gehabt zu haben, die mich so gut und liebevoll unterstützt haben und mich besucht haben, so oft sie konnten (auch wenn bei meiner Familie und mir 800 km dazwischen liegen).  Und ich bin unendlich froh, so wundervolle Chemo-Mädels kennengelernt zu haben und so ein tolles Team in der Senologie gehabt zu haben. Ich denke ohne diese ganzen Menschen wäre es für mich bei weitem schlimmer gewesen. Und das ist mein voller Ernst !!! Ich bin froh eine Chemotherapie gemacht zu haben, auch wenn man viel Negatives liest und hört. Mir hat sie geholfen und das zerstört, was zerstört werden muss. Ziel erreicht !!

Liebste Grüße….. Skadi

Der Port

Meinen Port habe ich ein gute Woche vor Beginn meiner Chemotherapie gesetzt bekommen. Da dies zusammen mit der Wächterlymphknoten-Entfernung geschah, hatte ich eine Vollnarkose, daher kann ich zur Setzung selbst nicht viel sagen. Schmerzen hatte ich mit dem Port nicht so sehr, aber es war recht unangenehm. Ich spürte Ihn anfangs sehr. Er drückte schon und war recht störend. Gerade bei Tätigkeiten über dem Kopf oder beim Schlafen. An Schlafen auf der Portseite war nicht zu denken. Ich hatte immer das Gefühl, er verschiebt sich, wenn ich auf der Seite liege, was aber eher eine Kopfsache ist. Natürlich hat er sich niemals verschoben.

Das erste Anstechen war etwas schmerzhaft, aber das lag eher daran, dass es noch etwas geschwollen war nach der OP. Man muss aber eigentlich keine Angst davor haben, denn das hält man gut aus. Anfangs lief auch alles gut rein und rückläufig war er auch. Ich war zufrieden. Ich glaube nach der zweiten oder dritten Chemo fing er an mich zu ärgern. Es lief noch alles wunderbar rein, aber er war nicht mehr rückläufig und wollte partout kein Blut abgeben. Für jemand wie mich, mit großer Angst vor Nadeln und Blutabnehmen eine Katastrophe. Nun mussten wir wieder auf normalem Wege Blut abnehmen. So ging es die ganze Chemo. Aber solange alles rein lief, war ich zufrieden. Sonst hatte ich mit dem Port absolut keine Probleme.

Wir haben uns recht schnell aneinander gewöhnt und leben auch jetzt noch recht gut zusammen.Und mittlerweile schlafe ich auch auf der Portseite und tadaaa , er ist noch immer nicht verrutscht. Ich habe meinen Port bei der OP nach der Chemo nicht entfernen lassen und werde ihn sicherlich auch noch etwas drin lassen. Er schränkt mich überhaupt nicht ein und spüren tu ich ihn auch kaum. Manchmal vergesse ich sogar, dass er da ist ……..

Eure Skadi