“Wenn Mama krank ist”

Dieser Spruch stand ganz fett und bunt auf dem Auto meiner Familienhelferin, die mich sieben Monate während der Therapie begleitete. Tolle Werbung…könnte man nicht etwas sensibler mit dem Thema umgehen? Als sie am Anfang zu mir kam, bat ich sie in die Garage zu fahren und erst nachmittags wieder raus. Irgendwann war selbst das mir dann egal.

Als ich im Juni letzten Jahres die Diagnose Brustkrebs erhielt, war mein erster Gedanke: ich kann mich nicht mehr um meine Kinder kümmern.

Der zweite Gedanke war: jetzt habe ich die zwei grad in die Welt gesetzt und kann mich bald verabschieden. Wie gemein ist das denn?

Ich verstand die Welt nicht mehr und hatte das Gefühl, ich befinde mich in einem Albtraum und es geht hier gar nicht um mich. Aber die Realität hat mich eingeholt und ich habe begriffen, ich bin krank und ich brauche Hilfe.

Die Hilfe kam (meine Mutter) und blieb drei Monate. Für mich eine riesen Entlastung und sie hat sich viel mit den Kindern beschäftigt. So konnte ich mich ausruhen, wenn ich es brauchte und regelmäßig in die Krebssportgruppe zum Training gehen. Als ich merkte, sie braucht mal eine Pause, erkundigte ich mich bei der Krankenkasse zwecks Haushaltshilfe. Die Genehmigung hatte ich schnell und für täglich sechs Stunden. Über die Sozialstation kam nun Frau B. täglich zu uns und unserer Familie so nah wie sonst niemand.

Ich konnte zu dem Zeitpunkt loslassen, auch was meine Kinder betraf, weil ich wusste, ich schaffe es nicht mehr. Mein Mann war anfangs dagegen, es ist ja eine fremde Person und irgendwie schaffen wir das. Ich war froh, dass ich mich für die Helferin entschieden habe. Sie nahm mir die meisten Dinge im Haushalt ab und kümmerte sich um die Kinder. Mir war es wichtig, dass unsere Abläufe beibehalten werden und ein geregelter Tagesablauf stattfindet. Meine Kleine brauchte zwei Wochen, bis sie sich an die Helferin gewöhnte, danach lief es richtig gut.

Noch heute erinnern wir uns gerne, da meine Tochter so manches schwäbische Wort von ihr übernommen hat. Die große Tochter hatte sich bis zuletzt schwer getan mit ihr. Naja erst wird sie die lange Zeit von der Oma verwöhnt und dann kommt wieder jemand neues, wo es heißt feste Regeln einhalten. Sie hat sich gewehrt, aber es half nichts. Ich bin manchmal mit der Helferin am Tisch gesessen und wir haben herzlich gelacht, wenn sie die Geschichten meiner Tochter erzählte. Einmal hat sie sie vom Kindi abgeholt und meinte zu ihr: “Was muss ich heut wieder daheim schaffen?” Ja geschadet hat es ihr nicht, versucht ja sonst immer ihren Willen durchzusetzen. J

Für mich war es ein kleiner Luxus in der schweren Zeit. Mir persönlich tat sie auch gut, eine neutrale Person zum reden und brachte mir viel Ablenkung.

Und ich war nicht allein, hatte Unterhaltung, wenn auch manchmal zu viel davon. J Mein Haushalt war top, brauchte fast nix mehr zu machen, konnte mich auf mich konzentrieren und Dinge in Ruhe erledigen. Und ich hatte die Zeit, die ich so dringend für mich brauchte. Ich bin zweimal die Woche zum Training nach Ulm und sonst viel spazieren gegangen, um den Kopf freizukriegen. Ich wusste, meine Kinder sind versorgt und hatte somit nicht den Stress wie sonst. Die Familienhelferin war bis Ende der Bestrahlung bei uns. Dann war ich an einem Punkt, wo ich doch endlich wieder selbst alles erledigen wollte.

Ja ich wollte auch wieder allein mit meiner Familie sein, denn Frau B. war in dieser Zeit, wie ein Familienmitglied für uns. Sie kam uns so nah, wie sonst keiner. Sie erlebte unsere Familie in einer schwierigen Zeit. Noch dazu kam unser Hausbau, unser Umzug und die nervliche Belastung. Auch mein Mann war sehr angespannt, wir hatten einen festen Auszugstermin und bis dahin, musste das Haus fertig sein. Er nahm Urlaub für den Innenausbau und arbeitete samt Helfer wie verrückt.

Ich war mit der Chemotherapie fertig, es war kurz vor Weihnachten, die Kinder hatten Ferien vom Kindi und ich war platt und müde ohne Ende. Meine Helferin durfte in der Zeit nicht kommen, da mein Mann “Urlaub” hatte. Da hätte ich sie nun am meisten gebraucht. Aber zurückblickend bin ich doch stolz auf mich, was ich in dieser Zeit doch leisten konnte. Und wir haben es geschafft, das Haus war fertig. Wir konnten Mitte Januar umziehen und freuten uns sehr auf unser neues Zuhause.

Das Gute daran war: ich war durch den Umzug so abgelenkt, dass ich überhaupt nicht an die kommende Operation dachte. Aber umso näher der Termin Anfang Februar rückte, desto mehr kam die Angst. Ich weinte viel in der Zeit, das war doch ein großer Schritt für mich, für den ich mich ja nicht freiwillig entschieden hatte. Ich wusste schon von der Ärztin seit der Diagnose, dass die Brust amputiert wird, da es mehrere Tumore waren. Den Schritt bin ich auch gegangen, aber mit einem mulmigen Gefühl. Konnte es mir nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn die Brust weg ist.

Die Operation verlief gut und ich war erleichtert, als es vorbei war. Habe aber trotzdem viel geweint in der Zeit, manchmal wusste ich gar nicht warum. Durch die OP war ich die ersten Wochen sehr eingeschränkt, von den Bewegungen, der körperlichen Belastung und überhaupt. Somit bekam ich meine Helferin wieder. Diesmal im neuen Haus und mit mir, die nix machen konnte. Aber wir haben uns tapfer durch die Zeit gekämpft, ich hatte sie noch bis Ende April, solange die Bestrahlung dauerte.

Ich denke heute noch an die Zeit mit ihr, die Gespräche, ihre Tatkraft und vielen Haushaltstipps. Die guten Rezepte koche ich heute noch. Sie hat mich sehr unterstützt in der Zeit, hat mich abgelenkt und wir haben viel geredet und gelacht. Die Kinder hatten sie schnell akzeptiert und fanden es toll, wenn es frische Waffeln oder selbst gebackene Kekse gab.

Eure Sandra

Mein Weg zurück ins Leben

In der Reha hat mich der Satz begleitet, “Mein Weg zurück ins Leben”.

Treffend wie ich fand.

Die Diagnose ein Schock, die Therapie ein langer Weg, den ich mich Schritt für Schritt vorwärts gekämpft habe. Ich habe gewusst, ich muss Abstriche machen, die nicht leicht werden. Die Reha hatte ich mir sehr ersehnt, diese Zeit nur für mich, Kraft tanken und wieder vorwärts schauen mit vielen positiven Gedanken.

Meine Situation mit zwei kleinen Kindern, die täglich fordern, ein Haus gebaut, gerade noch schnell umgezogen vor meiner OP und die lange Belastung der Therapie.

Ich wollte nur noch weg, brauchte jetzt endlich Zeit nur für mich und freute mich riesig auf diese Reha. Die Klinik spezialisiert auf junge Frauen mit Brustkrebs, die wieder aktiv im Leben stehen, war die richtige Wahl. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, konnte mich austauschen mit vielen anderen Frauen und habe alles probiert, um wieder fit zu werden. Trotzdem habe ich Pausen gebraucht und brauche sie heute noch.

Umso krasser fand ich, wo ich zurück daheim war.

Ich war zwar super erholt, habe gedacht jetzt schaffe ich alles und mir geht´s ja so gut. War ja auch so, aber von heute auf morgen wieder voll einsatzfähig und hundert Prozent geben, das geht nicht. Ich habe sehr deutlich begriffen, dass ich nach mir schauen muss. Meinen Perfektionismus ablegen und Dinge, die ich gern mag, einfach machen. Aber da sind meine zwei Kinder mit vier und zwei Jahren, die mich brauchen.

Ich habe das Gefühl, jetzt heißt es wieder wie eh und je funktionieren, keiner fragt mehr, wie es geht. Termine über Termine in meinem Kalender. Ich habe mein Ziel, Sport zu machen. Also zweimal die Woche Gerätetraining, einmal Nordic Walking und zweimal Rehasport.

Davon gebe ich nichts auf, weil es mir gut tut.

Aber es ist immer ein Drumrumbasteln meiner Termine um die der Kinder und ein Hoffen, dass nichts dazwischen kommt. Ich laufe zum Beispiel seit einem halben Jahr mit meiner vierjährigen Tochter zum Zahnarzt, davon gefühlte hundert mal in eine spezielle Kinder-Zahnarztpraxis. Das Einzige, was die mich in letzter Zeit kosten, sind Nerven, Leute sowas kann ich echt nicht brauchen zu dem Ganzen dazu. Naja, der Zahn quält uns immer noch und Hilfe wieso macht ihr so ein Mist mit Kindern, ich verstehe es nicht. Und so gibt es bei uns Tage, da bin ich verzweifelt und am Ende, weil die Probleme ja nicht still stehen.  Ich fühle mich heute noch erledigt, schnell müde und nicht belastbar, aber immer das Gefühl, ich sollte es wieder sein. Für meine Kinder, meinen Mann und alle anderen.

Meine Tochter hat es vor kurzem mal wieder geschafft, mein Adrenalinspiegel in die Höhe zu treiben. Frühmorgens schließt sie sich samt kleiner Schwester im Schlafzimmer ein, bis sie merkt, sie kann nicht mehr aufschließen, Panik und der berühmte Satz “Ich muss auf Toilette”. Ich zu meinen Nachbarn, ein junger trainierter Mann, der ist dann mit einer Leiter hochgeklettert und durch’s Fenster zu den Kindern. Das hätte ich nicht geschafft. Naja das Glück war, der Nachbar war zu Hause und das Fenster war offen. Sonst wären meine Beiden immer noch drin. Die Kleine von den Beiden, fand das ganze superwitzig und hatte ihren Spaß. Ich habe mal wieder ein riesen Schreck bekommen und habe erst mal sämtliche Schlüssel versteckt. So geht das Leben weiter mit allem was dazu gehört.

Aber trotzdem: in meinem Leben hat sich viel verändert. Ich bin sehr stolz auf mich, was ich geschafft und überstanden habe. Ich denke viel über mein Leben nach, was ich will, was mache ich weiterhin. Ich denke positiv, da habe ich aus der Reha viel Positives für mich mitnehmen können.

Ich schätze, was ich habe und genieße das auch. Ich habe heute noch Momente, da kommen die Tränen und Gedanken, aber ich freue mich wieder an meinem Leben und schätze, dass ich Leben darf. Das Leben ist schön und vor allem das Leben mit meiner Familie genieße ich heute mehr denn je. Ich lasse mich überraschen, was noch kommt und lebe im jetzt.

Danke an meine zwei süßen Zwerge. Für euch musste es weitergehen und ihr habt mich so oft abgelenkt und zum Lachen gebracht.

Eure Sandra 🙂

Meine Chemo: 4xEC und 12xTaxol

Hallo Ihr Lieben. Meine Name ist Valentina und Ich bin 39 Jahre alt. Ich bin verheiratet und lebe in Neu-Ulm. Meine Diagnose erhielt ich am 5.10.2016. Im ersten Moment war es natürlich ein großer Schock. Eigentlich habe ich bis zum Chemo-Beginn gebraucht, um zu realisieren, was da wirklich gerade passiert. In diesem Monat hat man sämtliche Pflichtuntersuchungen gemacht und dennoch war es schwer für mich, zu begreifen, dass ich Krebs habe. Anfang November wurde mir dann der Port gesetzt und 4 Tage später startete die erste Chemo. Ich war unendlich aufgeregt, da ich absolut nicht einschätzen konnte, was dort auf mich zu kommt. Die Nacht davor habe ich auch echt wenig geschlafen.

Das erste Portanstechen war recht schmerzhaft, da es noch alles ganz wund und angeschwollen von der OP war. Schon während die Chemo in mich hinein lief, wartete ich auf die ersten Nebenwirkungen. Ich hatte während der Chemogabe auch stets ein beklemmendes Gefühl in der Brust und musste teilweise sogar eine Tavor nehmen, um mich zu beruhigen. Als dann alles vorbei war, ging ich heim und mir ging es noch echt gut. Man sitzt aber trotzdem zuhause und wartet auf die Nebenwirkungen. Die erste Übelkeit trat bei mir schon am Nachmittag auf, welche ich recht schnell mit MCP-Tabletten in den Griff bekam. Danach war es ok und die erste Nacht verlief ruhig. Die ersten Tage zeigten sich lediglich die Wirkungen des Cortison, welches sich in Form von nächtlichen Heißhunger-Attacken und einem hochroten Kopf zeigte

Der Samstag nach der ersten Chemo war für mich der erste wirklich schlimme Tag. Ich musste den ganzen Tag liegen, weil es mir echt dreckig ging. Mir war richtig übel, ich war total kraftlos und dieses beklemmende Gefühl begleitete mich durch den Tag. Am darauffolgenden Montag ging es mir aber schon wieder recht gut. Ein bisschen Sodbrennen, aber auch da wurde mir recht schnell geholfen. Ich konnte sogar zum Sport gehen.

Von Chemo zu Chemo verlängerten sich die Zeiträume, in denen es mir nicht so gut ging. Der Geschmack war mittlerweile auch schon fort. Mein Kreislauf machte mir echt zu schaffen. Nach der dritten großen Chemo war es dann so schlimm, dass ich am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dort gab man mir dann eine Infusion und Vomex und danach ging es mir schon besser. Somit verbrachte ich den Rest von Weihnachten auf meinem Sofa. Bis zum neuen Jahr erholte ich mich so gut, dass ich sogar durch die Breitachklamm in Oberstdorf steigen konnte. Es war mega anstrengend, aber unglaublich schön.

Nach der dritten Chemo wurde dann ein Ultraschall gemacht, bei dem man feststellte, dass der Tumor geschrumpft ist. Somit viel es mir leichter, die vierte große Chemo durchzuziehen, denn ich wusste, sie schlägt gut an. Aber ich war dann doch sehr froh, diese geschafft zu haben.

An die darauf folgenden kleinen Chemos ging ich wesentlich entspannter ran, da ich von meinen Chemo-Mädels schon wusste, dass diese verträglicher sind. Und so war es dann auch. Ich hatte keine Übelkeit mehr. Ich war sehr geschafft, müde und dieses beklemmende Gefühl begleitete mich auch hierbei. Nach der vierten kleinen Chemo bemerkte ich beim Tasten, dass sich der Tumor verändert hatte. Das teilte ich meiner Ärztin dann mit und diese machte einen Ultraschall. Dieser zeigte, dass die Größe unverändert war, aber man merkte, dass er fester geworden war. Wir machten einen weiteren Kontroll-Ultraschall nach der siebten kleinen Chemo, welcher zeigte, dass der Tumor gewachsen ist. Und an der Stelle wurde die Chemo abgebrochen.

Die Ärzte haben sich darauf hin beraten und beschlossen, dass die geplante Op vorgezogen wird.

Diese folgte dann am 27.3.2017. Dort verlief alles gut und ich konnte bereits nach 2 Tagen heim.

Eure Vali

Chemotherapie ?!? Muss dat denn sein????

Obwohl ich echt Angst hatte, ging ich mit guter Laune zur ersten Chemo. Ich wusste, jetzt geht es los, jetzt wird mir geholfen. Angesetzt waren 4 mal (alle 3 Wochen) Epirubicin/Cyclophosphamid und 12 mal Taxol wöchentlich. Epirubicin , das Aperol Sprizz unter den Chemos. 🙂 Sieht so aus, wirkt aber anders. 🙂

Nunja….also die erste Chemo! Das Portanstechen war echt unangenehm, noch vielmehr das Gefühl, wenn das erste mal Flüssigkeit dort rein läuft und es nach und nach recht kühl wird. Aber man gewöhnt sich an alles. Ich dachte, man merkt bestimmt sofort etwas, wenn die Chemos reinlaufen. Aber es passierte nichts. Nach guten 6 Stunden waren wir fertig und ich war noch immer fit. Entgegen meiner Erwartungen. Ich fühlte mich wie vorher, fuhr mit dem Bus heim und saß dann zuhause und wartete auf die Nebenwirkungen. Klingt bestimmt total blöd, ist aber so. Ein bisschen müde  war ich an dem Tag, mehr passierte aber nicht.

Auch als ich am nächsten Morgen erwachte ging es mir echt gut. Ich schmiss meinen Haushalt und verbrachte noch viel Zeit draussen. Zum Wochenende hin merkte ich dann langsam wie sich etwas veränderte. Der Kreislauf spielte etwas verrückt und etwas Übelkeit kam auf. Ich fühlte mich ein bisschen betrunken. Das nervte , weil man die Dinge so schwummerig gesehen hat. Aber gegen die meisten Sachen war ich gewaffnet, denn man wird ja tüchtig mit Medikamenten ausgestattet. Der Sonntag nach der ersten Chemo war es etwas schwierig, da ich mit meinem Reflux ein paar Probleme hatte. Das hat mir auch eine schlaflose Nacht gebracht, da ich ausschließlich im Sitzen schlafen konnte, wenn überhaupt. Aber auch hierbei wurde mir in der Klinik am nächsten Tag schnell geholfen mit Pantoprazol und danach hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mehr. Mir ging es in der Woche darauf schon echt gut. Ich reiste sogar zu meiner Familie an die Nordsee und genoss dort ein paar schöne Tage.

Genau zwei Wochen nach der ersten Chemo kämmte ich mir morgens die Haare und bemerkte, da waren auffällig mehr Haare in der Bürste als sonst. Oh mein Gott jetzt schon !!!!! Ich war ja drauf vorbereitet, aber doch nicht so schnell. In den folgenden 2 Tagen wurde es immer mehr. Man konnte die Haare so vom Kopf ziehen. Eine echt schlimme Sache und vor allem sehr belastend, denn überall lagen Haare rum. Und so entschied ich mich, am Abend meines Geburtstages die Haare runterholen zu lassen. Ein ganz komisches Gefühl. Ich dachte, es wird so schwer und es werden ganz viele Tränen fließen. Aber dazu hatte ich gar keine Möglichkeit. Die Mama meines Partners und seine Schwester schnitten nach und nach die Haare ab und formten die witzigsten Frisuren. So haben wir mehr gelacht als alles andere. Und als dann alles weg war, fand ich es gar nicht so schlimm. Irgendwie war es ganz süß. Aber….. es ist sehr kalt nachts. Muss man sich erstmal daran gewöhnen.

In den folgenden 3 großen Chemos ging es mir dann ähnlich. Etwas Schwindel und Übelkeit waren immer vertreten. Aber es hielt sich zum Glück so in Grenzen, dass ich damit leben konnte. Nach und nach gingen mir in der Zeit auch sämtliche Körperhaare aus, was ich, bis aufs Gesicht, wenig ärgerlich fand. Wimpern und Augenbrauen hielten sich echt wacker. Was mich aber etwas nervte, waren die Hitzewallungen. Ich hätte es niemals gedacht, aber die sind soooo anstregend, gerade wenn man am Abend einschlafen möchte. Aber im Groben und Ganzen war ich echt erstaunt, wie „gut“ es mir ging, trotz Chemotherapie. Natürlich hat der erste Ultraschall nach der dritten Chemo die positive Einstellung noch mehr verstärkt. Denn der Tumor war nur noch recht „schwammig“ zu erkennen. Wahnsinn! Es ist so ein unbeschreiblich gutes Gefühl, so eine Botschaft zu erhalten. Da war ich dann noch motivierter. An dem Tag habe ich mit meiner Schwiegermama gleich mal mit nem Sektchen angestossen. Sowas muss ja wohl gefeiert werden. Für meine Familie war es die schönste Nachricht seit langem, und es flossen einige Freundentränchen.

Nach der 4ten großen Chemo war ich dennoch echt glücklich diese hinter mich gebracht zu haben und immerhin war nun Halbzeit. Yeah !!! Körperlich war ich zum Glück so fit danach, dass ich zur Hochzeit meiner kleinen Schwester reisen konnte. Ich hab das so genossen dort zu sein. Gerade nach der ersten Chemozeit.

Ende November begannen dann die wöchentlichen Chemos. Diese hab ich auch recht gut vertragen. Das fiese ist halt immer das Cortison. Ich hab da durch so einen Heißhunger bekommen, dass am Chemotag morgens die Futterluke auf ging und erst am Abend wieder zu. Der ganze Spaß hat mir während der Chemozeit auch ganze 10 kg gebracht. Furchtbar, denn ich bin ja nicht gerade ein Leichtgewicht. Die hätten echt nicht sein müssen, aber es hat soooooooooooo geschmeckt. Während der kleinen Chemo hatte ich dann auch immer meinen „toten Samstag“. Das war der einzige Tag wo nicht viel ging. Da musste ich mich echt schonen, weil der Kreislauf partout nicht wollte. Leider kamen mit den kleinen Chemos auch die Depri-Schübe. Man sitzt irgendwo und plötzlich weint man. Und kein Mensch weiss wieso. Man selber auch nicht. Aber was ich gelernt habe ist, dass Tränen befreien. Ich fühlte mich danach soooo viel besser. Meistens bin ich dann spazieren gegangen, um den Kopf einfach mal frei zu kriegen.

Zur Mitte der Weeklys fingen dann meine Zehen an, taub zu werden. Ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als klebt dort etwas unterm Fuß. Und mir taten die Beine weh. Aber wie doll manchmal. Als ob die tonnenschwer wären. Am meisten spürte ich das, wenn ich abends im Bett lag. Tagsüber ging es, da ich mich eigentlich echt viel bewegte. Und mit jeder kleinen Chemo, verschwanden mehr Wimpern und Augenbrauen. Aber , mit Beginn der kleinen Chemo finden die Kopfhaare an zu wachsen. Und wie. Sie schossen Quasi aus dem Kopf raus. Zur letzten Chemo kam ich mit quasi „vollem“ Haar aufm Kopf, aber völlig haarfrei im Gesicht. Ich fand immer, so ohne Augenbrauen und Wimpern, sah ich aus wie ein Frosch. Naja, eine Wimper hatte ich ja noch. EINE! Die war echt hartnäckig. 🙂 Die Survivor-Wimper 🙂

Je näher das Ende der Chemos kam, umso mehr merkte ich, dass der Körper einfach keine Lust mehr darauf hatte. Und bei der 9ten kleinen schlich sich dann bei mir eine fiese Bronchitis ein, die sich echt über 4 Wochen zog, mit Stimmenverlust und einer Chemopause. Das nervte mich schon sehr. Da ich ja endlich fertig sein wollte. Und dann noch ne Pause. Maaaaan…sowas stresst ungemein. Hatte sich mein Immunsystem bisher doch echt wacker geschlagen, so musste es mir auf dem Endspurt doch noch einen Stein in den Weg legen. Aber….. mit der letzten Chemo ging auch die Bronchitis und ich hatte meine erste kleine gegelte Frisur. Ein gaaaaaaanz tolles Gefühl.

Fazit aus allem: Es war bei weitem nicht so schlimm, wie ich erwartet habe. Ich habe die gesamte Zeit über meine positive Einstellung und meinen schrägen Humor nicht verloren. Ich bin jeden morgen aufgestanden und habe mich zurecht gemacht. Das hat mir als Frau ein unheimlich gutes Gefühl gegeben. Mit den Nebenwirkungen kann man irgendwann umgehen, denn man lernt, was man in welcher Situation tun muss, um dass es einfach besser wird. Ich bin dankbar so eine tolle Familie und Schwiegerfamilie, sowie ganz liebe Freunde an meiner Seite gehabt zu haben, die mich so gut und liebevoll unterstützt haben und mich besucht haben, so oft sie konnten (auch wenn bei meiner Familie und mir 800 km dazwischen liegen).  Und ich bin unendlich froh, so wundervolle Chemo-Mädels kennengelernt zu haben und so ein tolles Team in der Senologie gehabt zu haben. Ich denke ohne diese ganzen Menschen wäre es für mich bei weitem schlimmer gewesen. Und das ist mein voller Ernst !!! Ich bin froh eine Chemotherapie gemacht zu haben, auch wenn man viel Negatives liest und hört. Mir hat sie geholfen und das zerstört, was zerstört werden muss. Ziel erreicht !!

Liebste Grüße….. Skadi

Meine Diagnose : BRUSTKREBS!!!

Das erste Mal tastete ich den Knoten Mitte Juli 2016. Da ich diesen genau während meiner Menstruation entdeckte, schob ich es darauf. Damit beruhigte ich mich selbst ein wenig.

Nach 2 Wochen war er leider immer noch da. Das gefiel mir absolut nicht. Also ab zum Frauenarzt. Schon anhand des Ultraschalls erkannte man, da stimmt etwas ganz und garnicht.Und schon befand ich mich 2 Tage später bei der Mammografie. Meine Angst vor der Untersuchung war enorm. Im Nachhinein schmunzel ich drüber, denn entgegen jeder Erwartung war die Mammographie zwar unangenehm, aber fast schmerzfrei. Ich hoffte die ganze Zeit, dass es vielleicht doch etwas gutartiges ist. Die Hoffnung schwand recht schnell; als mir der Radiologe mitteilte, dass es sich definitiv um einen bösartigen Tumor handelt.

Kurzer Schockmoment.

Danach musste ich erstmal kurz an die Luft. Bei einer Beruhigungszigarette flossen dann die ersten Tränchen. Scheisse… was mach ich jetzt? und wie verdammt nochmal sag ich das meiner Mama? Die ersten Gedanken die mir in den Kopf kamen…… Ich beruhigte mich zum Glück sehr schnell und sammelte meine Gedanken. Am nächsten Tag saß ich erneut bei meiner Frauenärztin, welche mir dann sehr die Senologie in Neu-Ulm für die weitere Behandlung empfahl. Und genau da konnte ich mich direkt am darauf folgenden Montag vorstellen.

Eigentlich wusste ich bereits, dass es bösartig ist, aber dennoch kam immer wieder ein kleines Hoffnungsgefühl auf, dass es alles ein großer Irrtum sein musste.

Brustkrebs mit 30 ! Das kann doch nicht sein!

In der Senologie wurde ich sehr herzlich und warm empfangen. Schon da wusste ich, hier bin ich richtig. Nach einem Gespräch und einem Ultraschall folgte dann die Biopsie. AHHHHHHHH…. für einen Menschen wie mich , mit absoluter Panik vor Nadeln, ist es die Hölle. Aber auch dies war irgendwann geschafft. Danach ging ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Es war ein Gemisch aus Hoffnung, Angst , aber auch ein gutes Gefühl, denn ich fühlte mich in guten Händen und mir wird geholfen.

Schon am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf. Das erste Ergebnis der Biopsie ist da. Ich fuhr sofort in die Senologie. Und dann war es zu 100% sicher. Mammakarzinom links. Ich fühlte :NIchts! ich war komplett leer.

Beim darauf folgendem Staging wurde dann festgestellt, keine Ausbreitung des Krebses im Körper. Endlich mal eine gute Nachricht!

Und von da an wusste ich , jetzt muss ich mit harten Bandagen kämpfen …………….

Eure Skadi

Der Port

Meinen Port habe ich ein gute Woche vor Beginn meiner Chemotherapie gesetzt bekommen. Da dies zusammen mit der Wächterlymphknoten-Entfernung geschah, hatte ich eine Vollnarkose, daher kann ich zur Setzung selbst nicht viel sagen. Schmerzen hatte ich mit dem Port nicht so sehr, aber es war recht unangenehm. Ich spürte Ihn anfangs sehr. Er drückte schon und war recht störend. Gerade bei Tätigkeiten über dem Kopf oder beim Schlafen. An Schlafen auf der Portseite war nicht zu denken. Ich hatte immer das Gefühl, er verschiebt sich, wenn ich auf der Seite liege, was aber eher eine Kopfsache ist. Natürlich hat er sich niemals verschoben.

Das erste Anstechen war etwas schmerzhaft, aber das lag eher daran, dass es noch etwas geschwollen war nach der OP. Man muss aber eigentlich keine Angst davor haben, denn das hält man gut aus. Anfangs lief auch alles gut rein und rückläufig war er auch. Ich war zufrieden. Ich glaube nach der zweiten oder dritten Chemo fing er an mich zu ärgern. Es lief noch alles wunderbar rein, aber er war nicht mehr rückläufig und wollte partout kein Blut abgeben. Für jemand wie mich, mit großer Angst vor Nadeln und Blutabnehmen eine Katastrophe. Nun mussten wir wieder auf normalem Wege Blut abnehmen. So ging es die ganze Chemo. Aber solange alles rein lief, war ich zufrieden. Sonst hatte ich mit dem Port absolut keine Probleme.

Wir haben uns recht schnell aneinander gewöhnt und leben auch jetzt noch recht gut zusammen.Und mittlerweile schlafe ich auch auf der Portseite und tadaaa , er ist noch immer nicht verrutscht. Ich habe meinen Port bei der OP nach der Chemo nicht entfernen lassen und werde ihn sicherlich auch noch etwas drin lassen. Er schränkt mich überhaupt nicht ein und spüren tu ich ihn auch kaum. Manchmal vergesse ich sogar, dass er da ist ……..

Eure Skadi

Heute startet unser neuer Blog!

Meine Haare sind im Urlaub – unser neuer Blog von betroffenen Frauen für betroffene Frauen. Wir schreiben über das Thema Brustkrebs.

„Als ich diese Diagnose bekam, war ich am Boden zerstört. Da dachte ich, das war es jetzt.“

Der Brustkrebs-Befund führt oft zu einer großen Unsicherheit im Leben. Gerade zu Beginn der Behandlung fehlt es häufig an Hintergrundwissen und es fällt schwer, mit der Diagnose klarzukommen.

Wir schreiben, um anderen Frauen Mut zu machen.

Die Autorinnen des Blogs: Skadi & Sandra (vordere Reihe), Elizabeth & Gudrun (hintere Reihe)